30.09.2016

Im Zeichen des multikulturellen Czernowitzer Mythos

Am Abend des 16.September fand ein ganz besonderes Konzert in Czernowitz statt.

Die für das vom Gedankendach und dem Goethe Institut Kiew unterstütze Allerweltorchester angereisten Instrumentalisten Martin Kratzsch und Susanne Sasse luden die Czernowitzerinnen und Czernowitzer unter dem Titel „Sol sayn gelebt!“ ein, klassischer Klezmer Musik zu lauschen. Dieser Einladung folgten nicht nur ein paar Fledermäuse: Die Kirche, die an diesem Abend zum Konzertsaal wurde, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die beiden Musiker interpretierten die traditionelle Festmusik der osteuropäischen Juden mit dem Akkordeon und der Klarinette und zogen die Gäste anderthalb Stunden in ihren Bann. Dabei beschränkte sich ihre Interpretation nicht nur auf klassischen Klezmer, sondern auch Klezmer aus der amerikanischen Epoche und Stücke die mit der Bukowina in Verbindung stehen wurden gespielt. Zum Abschluss des Konzerts gab es noch eine Überraschung für das Publikum. Die Gruppe Nigunim des jüdischen Wohlfahrtsvereins Chessed-Schuschna führte eine Tanz-Perfomance auf und wirbelte zur Klezmer-Musik über die Bühne. Die Kirche, die Pater Stanislaw für das Konzert zugänglich machte, bot dabei eine unvergleichliche Atmosphäre für die Musiker und die Zuhörer, denn die Kirche wird seit einiger Zeit in mühsamer Kleinarbeit von den Spuren des von den Sowjets dort untergebrachten Archivs befreit. Am Ende lässt sich das Konzert vielleicht mit wenigen Worten so zusammenfassen: es stand ganz im Zeichen des multikulturellen Czernowitzer Mythos.

Zur Erinnerung an den schönen Abend und für diejenigen, die das Konzert nicht live genießen konnten, gibt es ein kurzes Video zu dem Projekt.

Und am Abend des 18.Septembers präsentierte Allerweltorchester vor dem Paul Celan Literaturzentrum in der  Kobylanska-Straße das Ergebnis ihres viertägigen Workshops. Die bunt zusammengewürfelten Musiker unter der Leitung der Instrumentalisten Susanne Sasse und Martin Kratzsch hatten in den vorangegangenen Tagen mit jungen TeilnehmerInnen aus der Ukraine geprobt, um gemeinsam Lieder aus aller Welt nach Czernowitz zu bringen. Dabei war die Aufgabe nicht unbedingt einfach: Die Musiker brachten ihre eigenen Instrumente mit, haben unterschiedlich viel Erfahrung, kommen aus verschiedenen Musikrichtungen und – was in der Musik schon fast in den Hintergrund rückt – sprechen unterschiedliche Sprachen. Umso schöner gestaltete sich der Prozess des gemeinsamen Erarbeitens der Lieder. Die MusikerInnen  mussten sich auf einander und auf die Lieder einlassen, was mit viel Humor und dem musikalischen Können von Martin Kratzsch, der die Band mit seiner Klarinette begleitete, und Susanne Sasse, die ihr Akkordeon mitbrachte, wunderbar gelang. So klangen die verschiedenen Instrumente, von der Gitarre über ein elektronische Piano hin zu einem brasilianischen Percussion-Instrument, am Ende tatsächlich so wie ein Orchester aus aller Welt. Auch die vielen kleinen Unwägbarkeiten, wie einer Last-minute Reparatur des Akkordeons, stellten für die Organisatorin  des Workshops, Viktoria Medvedko, keine größeren Probleme dar und konnten der guten Laune nichts anhaben. Am Sonntagabend hatten die Czernowitzerinnen und Czernowitzer nun die Gelegenheit zu sehen, mit wie viel Freude und Enthusiasmus die MusikerInnen die eingeübten Lieder präsentierten. Nach kurzer Zeit hatte sich die Kobylanska mit Menschen gefüllt, die den zehn MusikerInnen zuhörten – und bei Einbruch der Dunkelheit traurig waren, dass das Konzert des Allerweltorchesters vorbei war.

Unter dem Link können Sie einen kurzen Einblick in das Projekt gewinnen.

Von Lukas Poppenborg

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